Mittwoch, 3. Februar 2010

die lieben Kunden

Heute bin ich zufällig auf einen alten Post von mir im Forum gestoßen, der immer noch große Aktualität hat.

Damit der Kunde mal sehen kann, womit sich die Verkäuferinnen rumschlagen müssen. Natürlich immer mit freundlichem Gesicht.

*Post*

Ich muß jetzt mal meckern.
Ach was meckern, ich möchte am liebsten rumtoben und ausflippen.

Ich spreche für arbeitende Bevölkerung, für die Verkäuferinnen und Geschäftsinhaber, die sich täglich mit der Krone der Schöpfung, den Kunden, auseinandersetzen müssen.
Mit dem König, achwas, Papst, nein, mit den Göttern.
Nun geht es wieder los, die Touristen mehren sich und der Ärger und Unverstand über viele Leute ebenso.

Manchmal könnte ich verrückt werden
Z.b. gestern.

Es regnete. Nichts Neues in den letzten Tagen.
Logischerweise haben die Kunden einen Regenschirm bei sich. Vorzugsweise tropfnass.
Nun steht zwar am Ladeneingang ein Schirmständer, aber der steht da sicherlich nur zur Zierde.
Also hinein in den Laden mit tropfnassem Schirm.

Aaaah, so schöne Schuhe überall...der Blick geht durch den Laden, betrachtet hier, begrapscht dort. Die andere Hand mit dem Schirm schlenkert unkontrolliert herum und verspritzt das kostbare Nass.

Die Verkäuferin (ich) wird aufmerksam und schleicht hinter dem Kunden her und sieht sofort mit Adlerblick das Übel.

Nasse Schuhe und Schuhkartons. Oben auf den Schuhkartons steht immer ein Schuh des jeweiligen Sortiments.

Nun ist ein bittendes Wort angesagt.
" Würden Sie bitte so nett sein und den Schirm in den Schirmständer stellen?"
Wahlweise:
"Darf ich Ihren Schirm in den Ständer stellen?"

Ach herrje, nun hatte ich was gesagt. Unfaßbar, ich hatte den Kunden kritisiert. Ich hab ihn auf ein Versäumnis aufmerksam gemacht.
Welch anständiger Mensch darf sich sowas gefallen lassen?
Natürlich läßt man sich sowas nicht gefallen und traktiert die Verkäuferin mit bösen Blicken, zieht den jeweiligen Partner am Arm zurück:
"Komm, wir gehen, hier kaufen wir nicht ein!"

Draußen, noch in Hörweite der unverschämten Verkäuferin ergeht man sich in solchen Worten wie: " Die ist aber unfreundlich."

Solche Fälle hatte ich nicht nur einmal. Die eine Hälfte der auf den Schirmständer aufmerksam gemachten Kunden sieht es ein und benutzten ihn, die andere Hälfte verlassen sofort diesen unfreundlichen Laden.

Fall 2:
Kinderwagen

Nun hat ein normaler Laden ja nicht die Größe eines Supermarktes. Das hindert die werten Mütter aber nicht, mit dem Kinderwagen in den Laden zu kommen.
Unser Geschäft ist mit Teppich ausgelegt, damit die Kunden beim Schuhe anprobieren angenehmen Boden unter den Füßen haben.

Erst einmal peilen die Mütter die Richtung an, geben Gas und dann wird ihr Ferrari durch die Gänge gefahren.

Aufstellte Schuhsortiemente und Raumteiler mit Spiegel werden in den meisten Fällen gekonnt umfahren.
Aber nicht immer. Sooo groß ist der Laden nun auch wieder nicht und irgendwo müssen die Schuhe ja stehen.
So wird dann mal gegen diese oder jene Schuhe gefahren, hier eine Reihe Kartons verschoben und dort ein Spiegel gerammt. Wir mußten schon einige Spiegel erneuern, weil die kaputt gemacht wurden.

Mein dezenter Hinweis, den Wagen doch im Eingangsbereich, wo Platz ist zu lassen, wird mit bösen Blicken und Worte über die unfreundliche Verkäuferin quittiert.
" Hier kaufen wir nicht ein! So ein unfreundlicher Laden."

Das andere Problem der Kinderwagen sind die Räder. Gleich gegenüber von uns ist ein Park. Jetzt fährt man mit dem Kinderwagen erst schön durch den Matsch und dann in den Laden auf den Teppich. Man ist ja Kunde und darf alles.

Das wir Gründe haben, das so nicht zu dulden, wird absolut nicht akzeptiert.

Der Teppich wird verschmutzt, die nächsten Kunden aber wollen Schuhe probieren, gehen derweil Barfuß und landen im Dreck. Noch ein Problem sind die Sohlen der Schuhe, die anprobiert werden, oftmals mit weißen Sohlen, die danach gereinigt werden müssen, weil die Sohlen nicht mehr weiß, sondern dreckig sind.

Aber wir dürfen ja eigentlich nichts sagen, weil der Kunde König ist und alles darf. Bzw. nicht braucht, zb. Rücksicht nehmen.

Das betrifft übrigens auch Schuhe abtreten, wenn man in den Laden kommt.
Das ist eine völlige Unsitte, wir sind ja schließlich nicht zu Hause.
Ist doch nicht unser Teppich, der da dreckig wird.

Sehr schön ist auch, wie vor kurzem erlebt, Kinder mit Eis, gerne Schokoeis, mit in den Laden zu nehmen.
Zum Glück hatte ich es gesehen und konnte die Wildlederschuhe mit dem Klecks Eis drauf noch retten.

Ich mag Hunde, sagte ich das schon mal, nicht nur Katzen.
Am liebsten hab ich Hunde, die vom Regen-und Matschwetter draußen in den Laden kommen. Möglichst große Hunde, die auch noch schön nach nasser Hund riechen. Das übertüncht sogar den Ledergeruch.
Ihr wißt, was Hunde gerne machen, wenn sie ins Trockene kommen?
Richtig, sie schütteln sich erstmal tüchtig aus.

Die Verkäuferin zu fragen, ob Hunde mit reindürfen ist ja nicht mehr nötig, denn " ICH BIN KÖNIG KUNDE!!!"

Soll die Dienerin doch sehen, wie sie mit dem Dreck im Laden fertig wird.

Sorry, aber ich bin stinksauer über den Unverstand der meisten Menschen, über die Gleichgültigkeit, mit der sie anderen Menschen, besonders denen im Dienstleistungbereich, begegnen.

Das sie eigentlich noch fremdes Eigentum beschädigen, wird ihnen gar nicht bewußt.
Und wehe, man sagt mal was, auch in freundliche Worte verpackt wird für die Kunden eine haarsträubende und ihrer Meinung nach eine völlig unangemessene Kritik an ihrer Person daraus.

Was sollen wir noch machen?
Auf den Boden kriechen und ihnen die Füße küssen?

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