Mittwoch, 13. Januar 2010

David Garret-Konzert

Gestern fand nun das Ereignis des Jahres in Hamburg statt.

David Garret, wie er leibt und spielt.

Schwiegermutter ist sein größter Fan und so durfte ich schon im Frühjar 2009 Karten für den 12.1.2010 bestellen.

Als gebildete Bürgerin bin ich natürlich über den neuen Stern am Geigerhimmel informiert.*gg*
Vor allem, weil ich gern klassische Musik höre,...und weil Schwiegermama nicht zögerte, mich sofort anzurufen, wenn ihr Liebling im TV zu sehen war, damit ich mich mit ihr freuen und ihr oder sein belangloses Garret-Blabla über mich ergehen lassen konnte.

Oh, ich bin kein Gegner des schönsten Mannes der volksklassischen Musik.

Er ist wirklich hübsch und ansehenswert.
Und tatsächlich spielt er auch noch gut die Geige.

Zumindest wußte ich genau, was ich letztes Jahr Schwiema zum Geburtstag und zu Weihnachten schenken konnte.
Immerhin hat er schon 3 CD rausgebracht.

Bevor Schwiema Böses um die Ohren schlug, hörte ich natürlich selber in die CD's rein.
Ja, nicht schlecht. Klingt sauber und gut, wenn auch nicht jeder Titel meinem Musikgeschmack erreichte.

Aber ich begann mich, auf das Live-Konzert zu freuen.
Es lief unter dem Motto Classical Romance und ich vermutete zuerst seichte und langweilige klassische Klimpermusik.
Aber nicht mit David Garret, es sollte schlimmer kommen.

Gestern abend nun schmissen wir uns in Schale und gingen ins Konzert.
Circa 3000 Menschen begleiteten uns.
Überwiegend natürlich Frauen, oft auch eines Alters, deren Augen in David Garret den perfekten Schwiegerenkeltyp sahen.
Einige Herren waren, vielleicht gezwungenermaßen, auch dabei.

Das Orchester betrat die Bühne und legte los.
Kurze Zeit später ertönten kraftvolle Geigenklänge von hinten und ein Riesenapplaus begann.
David kam wirkungsvoll vor sich hin geigend von den oberen Sitzreihen nach unten zur Bühne.

Vielleicht erstarben nun einige Schwiegeromaträume, denn David war nicht klassisch in Smoking, Frack oder Anzug gekleidet, sondern trug abgehalfterte (Designer?-) Jeans, deren Schritt fast in den Kniekehlen hing, ein großkariertes Holzfällerhemd (Vermutung), darüber eine ärmellose Weste und einen Hut, unter dem ein nachlässiger Zopfknoten hervorschaute.

Aber achten wir nicht auf das Äußere, wir wissen ja, wichtiger sind die inneren Werte.
Er hatte seine hauseigene Band dabei, die aus Gitarre, Schlagzeug, Keyboard und Baßgitarre, der gleichzeit Dirigent des Orchesters war, bestand.

Ich erwähne dies extra, denn das Weimarer Orchester schien nur Staffage zu sein.

David spielte sich die Seele aus dem Leib und man sah tatsächlich, daß er mit dem Herzen spielte.
Zwischen den Stücken erzählte er Leuschen aus seiner Kindheit und Jugend, die zum Lachen anregen sollte. Leider eignet er sich nicht als Komiker, dafür erzählte er so schüchtern und sympathisch, daß die Schwiegeromas solche Rührung überkam und sie seine Gewandung übersahen, wenn sie denn verstanden, was er so erzählte.

Schwiema und ich verstanden ihn nämlich nicht richtig. Sei es, daß sich David nicht als großer Erzähler sieht, sei es, daß er das Mikrofon nicht als solches sah oder sei es, daß er sehr schnell und undeutlich spricht. Oder eben alles zusammen, was wohl eher zutraf.

Doch David war ja nicht zum Sprechen da.

Also spielte er wie Satan persönlich, voller Inbrunst und Elan.

Er begann mit ein/zwei bekannten klassischen Stücken.
Da schwenkte er um und spielte zeitgenössische und populäre Soundtracks wie "Fluch der Karibik" und irgendwas von James Bond.
Ich sackte schon etwas in meinem Sessel zusammen.
Dann kam wieder was Klassisches wie der wunderbare ungarische Tanz Nr.5 von Brahms, woraus David eine Eigeninterpretation gemacht hat, die allerdings nicht schlecht klang.
Doch dann kam Musik, mit der ich gar nichts anfangen konnte. Für mich war es ein wirres und teils schrilles Durcheinander von verschiedenen Instrumenten, wobei das Schlagzeug dominierte.

Die Pause erlöste mich für eine kurze Zeit. Oder fiel ich in Ohnmacht?

Die zweite Runde begann mit 3 oder 4 Stücken richtig klassischer Musik, was mich sogar befähigte, endlich mal zu applaudieren.
Beim bekannten griechischen Sirtakis wackelte sogar mein Fuß, wenngleich ich den schon besser gehört hatte.
Das Adagio von Albinoni, eins meiner Lieblingsstücke, konnte ich nicht wirklich genießen, was aber an der Schwiema lag, die das Adagio nicht kannte und auch nicht interessierte. Deswegen fühlte sie sich mehrmals bemüßigt, mein andächtiges Zuhören mit unwichtigem Bla Bla zu stören.
Aber David spielte dieses wunderschöne Stück auch wieder mit Eigeninterpretation, welche mich emotional nicht berührte.

Doch dann war Schluß mit lustig.

Ich weiß nicht mehr, mit welchem Stück es begann.

David wandelte sich zum Rocker.
Nun sollt ihr wissen, daß ich weder was von Rock-oder Popmusik verstehe, noch sie irgendwie mag.
Erst recht keine Rockmusik mit Geigenuntermalung. Das war nichts Halbes und nicht Ganzes.

Einen Titel von Michael Jackson hielt ich noch abwartend aus. Auch etwas von einer Band namens Metallica überlebte ich knapp mit zugehaltenen Ohren. Ich beruhigte mich kurz, als David etwas von Eros Ramazotti spielte, denn das klang fast wieder nach klassischer Musik.

Kurz vor Ende der ganzen Show aber drohte er mit ACDC.
Mein Herz blieb stehen und als der Lärm tatsächlich begann, fürchtete ich um mein Leben.
Mit einem "das ertrage ich nicht mehr" stand ich auf und verließ fluchtartig den Saal.

Ich war wütend und bin es immer noch.

Aber ungerecht will ich auch nicht sein.
Der Mann kann Geige spielen und daß mir seine Darbietungen nicht immer gefallen haben, ist nicht seine Schuld.

Nur das Motto des Konzerts hätte eben nicht Classical Romance heißen dürfen. Classics&Rocks wäre besser gewesen. Ich bin also mit völlig falschen Erwartungen zum Konzert gegangen.

Davon mal abgesehen gefiel mir auch das ganze Zusammenspiel von David, seiner Band und dem Orchester nicht.
Das Schlagzeug war zu laut, das Orchester wirkte uninteressiert und lahm, die Band unfreiwillig komisch, und David übermotiviert.

Auch meine geliebten klassischen Stücke erzeugten bei mir nicht den Hauch einer Gänsehaut, ebenwo wenig traten mir vor Ergriffenheit Tränen in die Augen.

Später kehrte ich in den Saal zurück, um Schwiema abzuholen. Natürlich gab es Standing Ovation, aber eine beträchtliche Anzahl Leute verließen auch recht schnell den Saal.
Davids Zugaben bestanden aus...ihr erratet es nicht, aus Rock-oder Popmusik, mit Geige, versteht sich.

Ich dagegen verstehe die Geige als ein klassisches Musikinstrument für klassische Musik. Vielleicht bin ich zu altmodosch.

Mir hat das Konzert nicht gefallen.

Aber David Garret ist ein hübsches Kerlchen und das ist viel wichtiger.*gg*

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