Sonntag, 22. Februar 2009

Cremes

Jetzt komme ich mal zu den Cremes, die sich ja jede Frau, die was auf sich hält, ins Gesicht oder woanders hin schmiert.

Die Kosmetikindustrie lockt uns, seit es Frauen gibt, mit den tollsten Supercremes gegen alles und jedes. Hervorzuheben wären da Antifaltencremes, Feuchtigkeitcremes, Fettcremes, Antipickelcremes, Augencremes, Gesichtcremes, Handcremes, Fußcremes, Haarcremes, Lippencremes, Fingernagelcremes, Beincremes, Cremes für die rückwärtigen Partien, Cremes für den Bauch....usw.
Also gegen jedes Wehwehchen ist eine Creme gewachsen.*gg*

Das erfreut die Frau, wird sie doch bald wunderschön und perfekt aussehen.

Das erinnert mich an eine Begebenheit aus früheren Jahren, als wir noch von der Außenwelt verriegelt in den glorreichen DDR-Zeiten lebten. Bei uns gabs nicht 1000000 Cremes gegen alles. Wir hatten zwei oder drei Sorten und waren auch schön.*gg*

Aber das wollt ich eigentlich gar nicht sagen.

Früher fielen uns mal ab und zu diese netten kleinen Heftchen in die Hände, Groschenroman genannt. Ungebildet wie wir waren, verschlangen wir diese Hefte, um endlich das wirkliche Leben außerhalb unserer Grenzen kennenzulernen.
Ebenso wurden die tollen Frauenzeitschriften aus dem Westen geliebt und wir erfuhren endlich, daß es sogar noch Könige und besonders Königinnen und Prinzessinnen gibt. Wir erlebten das pralle Leben bei Hofe in Bild und Text, wir lernten Schlagerstars und Schauspieler hautnah und privat kennen und fühlten uns mittendrin.*gg*

Aber auch das wollte ich nicht sagen.

Diese Hefte und Zeitschriften enthielten vor allem das, was man Werbung nennt und das noch speziell auf die Frau zugeschnitten.
Mit großen Augen lasen wir von den diversen Schönheitsprodukten gegen alles und für jedes und das auch noch für verhältnismäßig wenig Geld.

Meine Güte, mußten die Frauen aus dem Westen schön sein. Jede, aber auch jede Frau mußte unserem Empfinden nach einfach nur strahlend, leuchtend und unübertroffen perfekt sein.

Vor allem, selbst die uralten Jahrgänge, so jenseits der 80, waren schön, gesund, topfit.
Es gab ja laut Werbung für/gegen alles ein Cremchen.

Etwas verunsichert waren wir, daß auf Bildern, im Fernsehen oder im richtigen Leben die Frauen auch nur ganz normal aussahen, eben wie Frauen, wie auch wir in der DDR.
Auch unsere geschätzte Westverwandtschaft sah eigentlich ganz menschlich aus.*gg*
Da gab es Falten, Pickel, Couperose, körperliche Beschwerden.

Ja aber...die hatten doch Cremchen gegen und für alles...*grübel*

Dann wurden wir verweichl...äh...verwestlicht und kamen nun endlich ebenfalls in den Genuß purer Schönheit.

Zuerst erschlugen uns die Regale mit den wunderbaren und vor allem hübsch zurecht gemachten Produkten der Schönheit.

Wir probierten alles!
Nun ja, zu Anfang fast alles. Das, was wir uns grade so leisten konnten. Nur schöner wurden wir nicht. Jedenfalls nicht so, wie wir uns gerne schön gesehen hätten.

Obwohl schön und Schönheit ja relative Begriffe sind. Mit ein bißchen teurem Parfüm kann man sich auch schön fühlen.
Fühlt der Mensch sich wohl, fühlt er sich auch schön.

Aber, die Pickel kommen und bleiben, die Falten kommen und bleiben, alles kommt, was man nicht will. Trotz Cremchen hier und Cremchen da.

Hat der Westen uns betrogen? Betrügen wir uns selbst?

Ein bißchen das eine, ein bißchen das andere.

Die Kosmetikindustrie reagiert auf das, was Frauen wollen und das in einem Maße, welches für die meisten nur noch verwirrend ist. Aber solange es Käufer gibt, scheint ein Bedürfnis da zu sein. Und sie erfindet weiter, immer bessere Cremes für und gegen alles.
Die Werbeverprechen sind so gut und inhaltlich so subtil ausformuliert, daß wir wider inzwischen besseren Wissens, weiterhin gern darauf reinfallen (wollen).
Denn irgendwann muß ja mal irgendwas gegen Alles und Jedes helfen.

Außerdem machen sich die hübschen Tiegelchen und Döschen sehr nett im Bad. Und da des Menschen Einbildungskraft und Glaube an sich selbst und die Kosmetikindustrie sehr groß ist, erlebt man immer wieder, je teurer es ist, desto besser muß es wirken. Und genau diesen Glauben kennt auch die Industrie.

Ich werde das Thema Cremes demnächst noch weiter ausführen, denn eigentlich wollte ich ja ganz was anderes schreiben. Aber irgendwie entwickeln sich manche Themen zum Selbstläufer.*gg*

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